Sind Bakterien und Viren Lebewesen?

sind Viren LebewesenJeder Mensch hat Zeit seines Lebens mit Bakterien und Viren zu tun. Obwohl beide mit dem bloßen Auge nicht zu sehen sind, sind sie überall zu finden. Vom Laien werden die Begriffe Bakterien und Viren häufig durcheinandergebracht oder synonym verwendet. Aber es gibt große Unterschiede zwischen Bakterien und Viren. Um festzustellen, ob es sich bei beiden um Lebewesen handelt, muss zunächst die Definition von Lebewesen genauer betrachtet werden.



 

Was kennzeichnet die Lebewesen?

Die drei wichtigsten Faktoren, an denen sich das Lebewesen erkennen und definieren lässt, sind:

  1. Lebewesen betreiben Stoffwechsel.
  2. Lebewesen können sich geschlechtlich oder ungeschlechtlich fortpflanzen.
  3. Lebewesen sind zur Evolution fähig.

Ob es sich bei Bakterien und Viren um Lebewesen handelt, kann anhand ihres Aufbaus, ihrer Zusammensetzung und ihrer Vermehrung festgestellt werden.

 

Unterschiede zwischen Bakterien und Viren werden bereits im Aufbau deutlich:

Der Aufbau von Bakterien

Bakterien besitzen eine Zellwand. Innerhalb der Zellwand befinden sich das Zytoplasma, die Ribosomen und das Erbgut. Im Zytoplasma findet der Stoffwechsel des Bakteriums statt. Dazu nimmt es Stoffe aus seiner Umgebung auf, wandelt sie um und scheidet die Stoffwechselprodukte aus. Die Ribosomen dienen der Fortpflanzung. Bei der Vermehrung kopiert das Bakterium zunächst sein Erbgut und teilt sich anschließend in der Mitte. Aus einem Mutterbakterium entstehen zwei Tochterbakterien, die ebenfalls die Fähigkeit besitzen, sich zu teilen. Viele Bakterien haben außerdem fadenförmige Gebilde auf ihrer Oberfläche, um sich fortzubewegen. Die Bakterien besitzen ein oder mehrere Anhängsel, die zur Anheftung an andere Bakterien oder an tierische Zellen dienen. Bakterien erreichen einen Durchmesser zwischen 0,6 bis 1,0 Mikrometer. Sie sind unter dem Lichtmikroskop sichtbar. Sie haben entweder die Form eines Stäbchens oder es sind kleine Kugeln. Bakterien sind Einzeller und erfüllen alle Kriterien eines Lebewesens.

Aufbau von Bakterien

Der Aufbau von Viren

Viren sind circa 100 mal kleiner als Bakterien. Sie sind nur durch das Elektronenmikroskop zu sehen. Viren haben meistens eine runde Form. Das Virus besteht aus einer Hülle, die sich aus Proteinen zusammensetzt und seinem Erbgut, das sich in der Hülle befindet. Die Hülle wird auch als Capsid bezeichnet. Weil das Virus keine Ribosomen besitzt, kann es sich nicht selbst teilen. Es kann weder sein Erbgut kopieren, noch selbstständig eine Hülle darum bilden. Zu seiner Vermehrung benötigt das Virus eine Wirtszelle. Es befällt die Wirtszelle und schmuggelt auf diese Weise dem Wirt sein eigenes Erbgut unter. Die vom Virus befallene Zelle baut Moleküle und Molekülgruppen nach ihrem eigenen Erbgut, die sie zum Leben benötigt. Gleichzeitig baut sie auch nach dem Erbgut des Virus Moleküle, die dem Virus von Nutzen sind. Das geht so weit, dass manche Viren in ihrem Erbgut einen „Zerstörermechanismus“ beinhalten. Wenn die Wirtszelle eine bestimmte Anzahl an Viren produziert hat, zerstört sie sich auf Anweisung des Virenerbgutes selber. Dadurch werden die neuen Viren freigesetzt und können die nächste Wirtszelle befallen, um sich zu vermehren. Da die Viren keinen eigenen Stoffwechsel betreiben und sich auch nicht selbstständig fortpflanzen, erfüllen sie die Kriterien des Lebewesens nicht.

 

Gemeinsamkeiten von Viren und Bakterien

Viren und Bakterien haben auch Gemeinsamkeiten. Gerade durch diese Gemeinsamkeiten sind sie den Menschen verhasst, denn beide können Krankheiten auslösen. Beide sind sowohl für harmlosere Krankheiten verantwortlich, wie auch für Krankheiten, die zum Tod führen können.

 

Krankheiten, die von Bakterien und Viren ausgelöst werden und ihre Bekämpfung

Viele bekannte Kinderkrankheiten werden von Viren verursacht. Dazu zählen Masern, Röteln oder die Windpocken. Aber auch für sehr ernste Erkrankungen wie AIDS, oder Hepatitis C zeichnen Viren verantwortlich. Die Grippe ist ebenso eine Viruserkrankung wie auch Herpes von Viren ausgelöst wird. Zu den bekannten Krankheiten, die von Bakterien verursacht werden, gehören Tuberkulose, Lungenentzündung, Cholera, Typhus oder die Pest.

Weil der Aufbau von Viren und Bakterien unterschiedlich ist, müssen sie auch auf verschiedene Weise bekämpft werden.

Bakterien wird meistens durch Antibiotika der Garaus gemacht. Das Antibiotikum greift die Zellwand des Bakteriums an und zerstört sie. Dadurch ist das Bakterium zum Tode verurteilt. Es stirbt ab. Es gibt auch Antibiotika, die Bakterien nicht zerstören, sondern sie lediglich an der Fortpflanzung hindern.

Weil das Virus keine Zellwand hat, kann das Antibiotikum gegen das Virus nichts ausrichten. Die heute meist verbreitete Bekämpfung von Viruserkrankungen besteht in der Impfung. Beim impfen werden abgeschwächte Krankheitserreger in den menschlichen Körper gebracht. Dadurch kann das Immunsystem mithilfe der Abwehrkräfte die Eindringlinge schnell unschädlich machen. Gleichzeitig werden Antikörper gebildet, die bei einem erneuten Angriff des Krankheitserregers sofort zur Stelle sind. Medikamente, die eine Vermehrung der Viren hemmen, heißen Virostatika. Sie kommen jedoch wegen ihrer hohen Nebenwirkungen nur bei bestimmten viralen Erkrankungen zum Einsatz, wenn die körpereigene Abwehr nicht in der Lage ist, den Virus zu bekämpfen.

 

Fazit: Sind Bakterien und Viren Lebewesen?

Bakterien und Viren unterscheiden sich in ihrem Aufbau gewaltig:

Die Bakterien haben als Einzeller einen eigenen Stoffwechsel. Sie vermehren sich selbstständig und sind zur Evolution fähig. Die Bakterien zählen eindeutig zu den Lebewesen.

Die Viren bestehen nur aus einer Eiweißhülle und ihrer Erbinformation. Daher können sie weder einen Stoffwechsel durchführen, noch sich selbstständig vermehren. Viren sind keine Lebewesen.

 

 



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